In unserer MAV haben wir schon öfter über die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) gesprochen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich bisher nur eine recht oberflächliche Ahnung davon hatte, was sich wirklich hinter diesem Begriff verbirgt. Eine hartnäckige Erkältung hat mich am vergangenen Wochenende ans Bett gefesselt – und mir die unerwartete Zeit geschenkt, mich endlich einmal tiefgehender damit zu beschäftigen. Auf dem YouTube-Kanal „Freunde der Gewaltfreien Kommunikation“ bin ich dabei auf vier faszinierende Videos von Marshall B. Rosenberg gestoßen.
Wer war dieser Mann mit den Giraffenpuppen? Marshall B. Rosenberg (1934–2015) war nicht nur ein US-amerikanischer Psychologe, sondern vor allem ein weltweit tätiger Friedensstifter und der Begründer der GFK. Er verbrachte sein Leben damit, Menschen zu zeigen, wie sie eine Verbindung von „Herz zu Herz“ aufbauen können. Dabei war er kein reiner Theoretiker: Als Mediator vermittelte er in extremen Krisengebieten, wie etwa zwischen verfeindeten Stämmen in Nord-Nigeria oder in palästinensischen Flüchtlingscamps.
Sein Ziel war es, die „Wolfssprache“ – also Urteile, Diagnosen und Kritik – durch die „Giraffensprache“ zu ersetzen. Er wollte uns lehren, so miteinander zu sprechen, dass wir einander freiwillig und mit Freude unterstützen, statt aus Pflichtgefühl oder Angst vor Strafe zu handeln.
In den vier Videos, die ich euch hier vorstellen möchte, erklärt er mit viel Humor und anhand von Beispielen aus seinem eigenen Leben als Vater und Mediator, wie dieser Weg der Kommunikation funktioniert.
- Einführung in die GFK – Teil 1
- Einführung in die GFK – Teil 2
- Einführung in die GFK – Teil 3
- Einführung in die GFK – Teil 4
Mein Weg von der Wolfs- zur Giraffensprache
Rosenberg nutzt zwei Symbole, die mir helfen, mein eigenes Kommunikationsverhalten zu reflektieren:
- Die Wolfssprache begegnet mir oft dort, wo geurteilt, kritisiert oder diagnostiziert wird, was mit anderen „falsch“ ist. Rosenberg erklärt, dass diese Sprache auf Bestrafung und Belohnung basiert, um Gehorsam zu erzwingen.
- Die Giraffensprache hingegen nenne ich nun die „Sprache meines Herzens“. Da die Giraffe das größte Herz aller Landtiere hat, steht sie für den Wunsch, freiwillig zum Wohlbefinden anderer beizutragen – nicht aus Pflicht, sondern aus der Freude am Geben.
Die vier Schritte, die ich nun übe
Um eine aufrichtige Verbindung zu meinen Mitmenschen aufzubauen, orientiere ich mich an den vier Schritten der GFK:
- Beobachten ohne zu bewerten: Ich versuche, eine Handlung genau zu beschreiben, ohne sofort ein Urteil wie „unzuverlässig“ oder „störrisch“ zu fällen.
- Gefühle wahrnehmen: Ich lerne, meine echten Gefühle auszudrücken und sie von bloßen Gedanken oder Interpretationen (wie „ich fühle mich ignoriert“) zu unterscheiden.
- Bedürfnisse erkennen: Ich verbinde meine Gefühle mit meinen universellen Bedürfnissen. Rosenberg bezieht sich hier auf Manfred Max-Neef und nennt neun Grundbedürfnisse, darunter Sicherheit, Empathie, Liebe, Spiel, Kreativität, Geborgenheit, Autonomie und Sinn.
- Klar bitten statt fordern: Ich formuliere positive Bitten in einer Handlungssprache für das Hier und Jetzt. Für mich ist entscheidend: Eine Bitte bleibt nur dann eine Bitte, wenn ich auch ein „Nein“ meines Gegenübers akzeptieren kann, ohne in den Wolfsmodus zu verfallen.
Was das für meine Arbeit in der Schule bedeutet
Besonders hellhörig bin ich bei Rosenbergs Kritik an der „Amtssprache“ geworden, bei der Menschen die Verantwortung für ihr Handeln durch Worte wie „müssen“ oder „Sollte“ ablehnen. Ich möchte an unserer Schule weg von einer „Macht über Menschen“ hin zu einer „Macht mit Menschen“. Das bedeutet, dass ich versuche, selbst in Kritik oder Angriffen die unerfüllten Bedürfnisse des anderen zu hören – Rosenberg nennt das, die „Giraffenohren“ aufzusetzen, um das „wunderschöne Lied“ (die Schönheit) im anderen zu entdecken.
Ich wünsche euch viel Inspiration beim Entdecken eurer eigenen Giraffensprache!
